Aktuelles von der Europaschule

Zeitzeugenbericht

Prof. Heinz Jung vom Abiturjahrgang 1946 der Ziehenschule berichtet von seiner Jugend und musikalischen Sozialisation im Nationalsozialismus

Ein besonderer Besuch im Musikunterricht der Klasse 10d bei Herrn Glaßner: Prof. Heinz Jung, Abiturient der Ziehenschule (Abiturjahrgang 1946) und emeritierter Professor für Musikdidaktik an der Frankfurter Hochschule für Musik und darstellende Kunst, hat am 6. Mai mit der 10d einen Thementag zum Thema „Jugend und musikalische Sozialisation im Nationalsozialismus“ durchgeführt. Erinnerungen und Erlebnisberichte aus erster Hand, Musik- und Filmausschnitte haben die Klasse fünf Schulstunden lang in Atem gehalten. Der Thementag wurde auch im Geschichtsunterricht bei Herrn Becker vorbereitet.

Die Schülerinnen und Schüler der 10d waren beeindruckt: „Mich hat der vergangene Tag sehr mitgenommen. Für mich war das Treffen mit dem Zeitzeugen sehr emotional.“ – „Unvergleichliches Erlebnis.“ – „Die Informationen, die uns an diesem Projekttag vermittelt wurden, waren sowohl spannend, fesselnd als auch erschütternd.“ – „Ich fand es beeindruckend, dass Herr Jung sich sehr detailreich an einzelne Erlebnisse erinnern konnte.“ – „Meiner Meinung nach war der Tag sehr wichtig und interessant, da die Geschichte dieses Landes uns helfen kann, eine bessere Zukunft zu gestalten.“

Text und Fotos: Peter Glaßner, Klasse 10d (21.05.2019)

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Initiative "Für jüdisches Leben in Frankfurt und gegen Antisemitismus"

Bürgermeister Uwe Becker hat als ehemaliger Ziehenschüler ein besonderes Verhältnis zu unserer Schule. Nicht nur deswegen, sondern insbesondere auch, weil wir seine Initiative so unterstützenswert finden, war er am 05.04. bei uns zu Besuch, um im Beisein der Leistungskurse PoWi (Herold) und Deutsch (Rogler) das für seine Initiative entworfene Plakat zu präsentieren und direkt aufzuhängen!

Hier geht es zur Pressemitteilung:
https://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=8440&_ffmpar[_id_inhalt]=35308076

Text und Fotos: Carsten Herold (10.4.2019)

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Besuch aus Neuseeland an der Ziehenschule

Die Kontakte der Ziehenschule mit der Palmerston North Boys‘ High School begannen mit einer Anfrage aus dem Jahr 2011, als die neuseeländische Schule eine Partnerschule in Frankfurt suchte. Zunächst gab er nur Email-Kontakte, doch für das Frühjahr 2013 wurde der erste Besuch in Frankfurt anberaumt: Ca. 20 Schüler – nur Jungen – und zwei Lehrkräfte, Alison Dickinson und Jonathan Richards, kamen für 10 Tage nach Frankfurt, waren hier bei Gastfamilien untergebracht und reisten dann weiter nach Berlin, München und Bayreuth. Auch drei Jahre später, im April 2016, brachten Mrs Dickinson, Mr Richards und ein weiterer Lehrer, Willie Docherty, wieder PNBHS-Schüler an die Ziehenschule, diesmal sogar 26. In diesem Jahr sind es 19 Jungen und drei Lehrer: Alison Dickinson, Christina Belton und Kristofer Malicki, der eigentlich aus Bayern stammt. Seitens der Ziehenschule sind Fabio Ballaera und Julia Hinz für die Organisation des Aufenthalts verantwortlich.

Interessant ist, dass mehrere der diesjährigen Gastgeber auch schon vor drei Jahren dabei waren. Wie in jedem Jahr, so wurde auch diesmal eine gemeinsame Fahrt nach Heidelberg mit den Partnern und Partnerinnen aus der Ziehenschule durchgeführt – dem Verein der Freunde und Förderer sei Dank! Darüber hinaus machten die Neuseeländer Tagesfahrten nach Hockenheim, Stuttgart und Köln und nahmen mit ihren Gastgebern am Unterricht teil. Am 10. April verabschiedete sich die Gruppe von Frau Rogler, und der Schüler Robert Norman überreichte im Namen der PNBHS ein Geschenk.

Am 12. April reisen die Neuseeländer weiter nach Berlin, Leipzig, Nürnberg und München, wo sie jeweils einige Tage bleiben und ein volles Besichtigungsprogramm absolvieren werden. Am 24. April fliegen sie via Singapur und Auckland wieder zurück nach Palmerston North, wo sie erst am 26. April mittags erwartet werden.

Es bleibt zu hoffen, dass die Kontakte aufrecht erhalten und in ein Austauschprogramm auf Gegenseitigkeit münden werden. Allen Beteiligten und den Gastfamilien sei herzlich gedankt.

Text und Fotos: Marita Ebel (10.4.2019)

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„Trude Levi – Ich habe den Krieg gewonnen!“

Filmabend in der Ziehenschule

Beitrag der Klasse 9c

Am 21. Februar 2019 hat der Förderverein der Ziehenschule in der Aula den Dokumentarfilm „Trude Levi - Ich habe den Krieg gewonnen - Schülerinnen und Schüler der Ziehenschule begegnen der Zeitzeugin Trude Levi“ gezeigt.

Die Aula war voll. Zahlreiche  Schülerinnen und Schüler sowie Eltern, Verwandte und Lehrer/innen der Schule waren gekommen, außerdem konnte der Förderverein einige besondere Gäste begrüßen, den ehemaligen Schulleiter der Ziehenschule Herrn Eichenauer, den Frankfurter Bürgermeister Uwe Becker, den Vorsitzenden des jüdischen Sportvereins Makabi Herrn Alon Meyer, einige Schüler/innen der Lichtigfeldschule und Frau Kata Bohus, Kuratorin im Jüdischen Museum Frankfurt.

Trude Levi (1924-2012) war eine ungarische Jüdin, die die Zeit der Judenverfolgung unter Adolf Hitler miterlebt hat, im KZ Auschwitz eingesperrt war und als Zwangsarbeiterin in einer Munitionsfabrik schwere Arbeit leisten musste. Sie hat den Krieg überlebt und kam in den 1990er Jahre nach Deutschland, um in Schulen von ihrem Schicksal zu erzählen.  Frau Levi kam auch viele Male in unsere Schule, wo ein Filmprojekt mit Lehrerinnen, Schülerinnen und einem Filmteam 2009-2011 einen Film über ihr Leben drehte. Der Großteil der Dokumentation wurde in unserer Schule gedreht. Drehorte waren auch London, wo Trude Levi seit 1957 eine neue Heimat gefunden hatte, und Hirschhagen in Nordhessen, wo sie als Zwangsarbeiterin arbeiten musste.

In dem Film spricht Trude Levi über ihre schreckliche Vergangenheit, über die Zerstörung ihres Elternhauses durch die Nazis, ihre Deportation zunächst in ein Ghetto in der Nähe ihrer Heimatstadt in Ungarn und dann in das Vernichtungslager Auschwitz in Polen. Dort wurden ihre Eltern ermordet, sie selbst wurde mit 1000 Mitgefangenen nach Nordhessen deportiert, wo sie in einer Munitionsfabrik schwer arbeiten musste. Der dritte Teil des Filmes zeigt ihr Leben nach 1945.

Der Film hat die Zuschauerinnen und Zuschauer sehr stark angesprochen. Man spürte die Anspannung des Publikums. Mit jeder neuen Information stieg die Anzahl der erschrockenen und berührten Gesichter.

Nach dem Film gab es Zeit für Gespräche und Fragen, die die beiden Leiterinnen des damaligen Filmprojektes, Frau Hahn und Frau Faltinat, beantworteten und etwas über die Entstehung und  den Verlauf des Filmprojekts erzählten.

Ein wichtiges Ziel des Films ist es, den Zuschauerinnen und Zuschauern am Beispiel von Trude Levi eine sehr persönliche Seite der Zeit der Judenverfolgung unter den Nationalsozialisten zu zeigen und dadurch Unwissenden die Augen zu öffnen und Klarheit zu schaffen. Unserer Meinung nach war der Abend sowohl interessant und lehrreich als auch aufregend und emotional. Der Film hat uns eindringlich gezeigt, wie gut wir es heute haben. Es ist schockierend, wie  Juden früher behandelt wurden. Wir können uns nicht vorstellen, wie es für uns gewesen wäre, dort gefangen gehalten zu werden. Dass wir die Geschichte einer Zeitzeugin erzählt bekommen haben, war sehr wichtig für uns. Dass dieser Film gedreht wurde, war eine sehr gute Idee, denn so haben die kommenden Generationen der Ziehenschüler/innen und Schüler/innen anderer Schulen auch die Chance, an Trude Levis Erfahrungen teilzuhaben.

Siehe auch: 200 Zuschauende waren bewegt von Trude Levi

Text: Yasmin Al Twal, Antonella Dujmovic, Eileen Duong, Nicole Gaida, Viktoria Juric, Jelena Jurusic, Alessandro Pistara  (Klasse 9c), Frau M. Faltinat, Frau Dr. Blankenberg (19.3.2019)

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Besuch im Hessischen Landtag

Bericht des Besuchs der Klasse 10b

Mit unserer Klassenlehrerin Frau Höhler und unserer Lehrerin für Politik und Wirtschaft Frau Engelhardt hörten wir uns am 28. Februar 2019 eine spannende „Aktuelle Stunde“ im Plenum des Landtags in Wiesbaden an. Diese wurde vom hessischen Kultusminister Herrn Lorz eröffnet und ging über den Digital-Pakt. Dies sind Gelder vom Bund, welche helfen sollen, die Digitalisierung in die Schulen zu bringen. Es handelt sich um insgesamt fünf Milliarden Euro, die auf die Länder verteilt werden. Hessen erhält ca. 349 Millionen Euro für fünf Jahre, das sind ca. 95 Euro pro Schülerin und Schüler und pro Jahr.

Minister Lorz äußerte sich positiv und stellte klar, dass das Land Hessen weitere Gelder in die Hand nehmen müsse, um die Digitalisierung durchzuführen. Danach äußerten sich Vertreter anderer Parteien. Die AFD stellte es zum Beispiel in Frage, ob die Digitalisierung nötig sei und uns nach vorne bringe. Die Vertreterin der Linken hingegen war der Ansicht, dass die Digitalisierung nicht nachhaltig genug sei und dafür noch mehr Haushaltsmittel benötigt werden. Zudem wurde betont, dass es mehr brauche als Geld, insbesondere auch geschulte Lehrerinnen und Lehrer und angepasste Unterrichtsmaterialien.

Nach einer Stunde verließen wir das Plenum und hatten eine offene Diskussion mit verschiedenen Abgeordneten und Referenten. Unseren Fragen stellten sich Herr Heidkamp (AFD), Herr Dr. Bartelt (CDU), Herr Yüksel (SPD), Herr Lotz (Linke) und Herr Kosmehl (FDP). In einer belebten Diskussion beschäftigten wir uns mit Themen wie Diesel-Fahrverboten, FridaysforFuture (externer Link) versus der Schulpflicht, sanierungsbedürftigten Schulbauten und Hitzefrei sowie mit dem demographischen Wandel und der Einwanderungspolitik.

Zu Schluss bedankten wir uns, und machten ein gemeinsames Foto auf dem Balkon des Landtags. Wir als Klasse möchten uns bei allen Beteiligten für den interessanten und lehrreichen Tag bedanken. Insbesondere bei den Vertretern der Parteien, die sich viel Zeit für uns nahmen, und bei Frau Engelhardt und Frau Höhler, die uns begleitet haben.

Bild 1: Gruppenfoto, Bild 2: Kosmehl (FDP), Lotz (Die Linke), Dr. Bartelt (CDU), Heidkamp (AFD), Yüksel (SPD) (von links nach rechts)

Text: Edis Malicevic, I. Höhler; Fotos: I. Höhler (7.3.2019)

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200 Zuschauende waren bewegt von Trude Levi

Die Aula war voll besetzt, als der Förderverein der Schule am 21.02.2019  den Dokumentarfilm „Trude Levi – Ich habe den Krieg gewonnen“ zeigte. Der Film entstand 2012 aus einem Schulprojekt und zeigt die ungarische Jüdin und Auschwitz-Überlebende Trude Levi in Gesprächen und Vorträgen, in denen sie über ihr Leiden während und nach der Zeit des Nationalsozialismus spricht. Der Film hinterließ die Zuschauer/innen sehr beeindruckt und erschüttert. In einer anschließenden Diskussionsrunde mit den Filmmacherinnen wurde deutlich, wie wichtig es ist, das Wissen über den Holocaust vor allem an junge Menschen weiterzugeben, um sie zu sensibilisieren für jegliche Art von Antisemitismus und Diskriminierung. Von unschätzbarem Wert sind daher die Berichte von Zeitzeugen, von denen es nicht mehr viele gibt. Es sei aber ebenso wichtig – so die Anregung eines Vertreters der jüdischen Gemeinde –, Wissen über das moderne Judentum zu vermitteln.

Trude Levi starb 2012. Ihr Bericht aber über die grauenhaften Verbrechen, die sie und Millionen andere in Deutschland und Europa erlitten haben, bleibt in diesem Film lebendig.

Text: Dr. Katrin Unrath-Scharpenack; Fotos: Heidrun Althen (25.02.2019)

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Rettende Kindertransporte im Zweiten Weltkrieg

Wir, die Klasse 10a, haben die Möglichkeit bekommen, an einer Lesung in der Ziehenschule über das Thema „Rettende Kindertransporte im 2. Weltkrieg“ teilzunehmen.

Einige der ehemaligen Kinder haben ihre Erfahrungen festgehalten, wie Oswald Stein, einer der noch lebenden Zeitzeugen. Er berichtet in seinem Buch, wie es ihm in dieser Zeit ergangen war. Die Lesung wurde von Till Lieberz-Gross gehalten, die von seinen Erfahrungen mit dem Kindertransport nach England uns berichtete.

Kindertransporte waren ein Angebot für jüdische Kinder zwischen 2 und 17 Jahren, mit denen sie ins Ausland gebracht wurden, um Schutz vor der Judenverfolgung zu erhalten. Doch die Voraussetzungen, um auf einen Kindertransport zu kommen, waren sehr streng, und die Plätze stark limitiert. Zum Beispiel musste jemand gefunden werden, der für sie sorgte und ihre Ausbildung bezahlte.

Für alle Familien war es eine harte Entscheidung, denn sie wurden dadurch auseinandergerissen und viele sahen sich nie mehr wieder.

Oswald Stein und sein älterer Bruder wurden als Kindertransportler von ihrer Familie nach England gebracht, um vor den Nazis zu flüchten. Seine Eltern und sein jüngerer Bruder, der zu diesem Zeitpunkt noch ein Baby war, blieben in Deutschland und fanden da ein Versteck.

Oswald hatte Glück und konnte eine gute Ausbildung in England erhalten. Er hatte auch Kontakt zu seinem älteren Bruder während dieser Zeit.

Er wurde Lehrer und entschied sich dann zurück nach Deutschland zu kommen, wo er und seine Familie wieder zusammenfand. Später arbeitete er unter anderem an der Ziehenschule als Lehrer und entschied sich auch deshalb, hier uns von seinem Leben zu erzählen.

Die Lesung hat uns nicht nur neue Einblicke in die schwere Zeit des Zweiten Weltkrieges ermöglicht, sondern uns auch ein Leben aus der Sicht von einem Menschen gezeigt, der das miterlebt hat. Es war informativ und interessant zugleich, und ich denke, ich spreche für alle, wenn ich sage, dass wir auch etwas Neues gelernt haben.

Text: Beatrice Tan; Foto: Angelika Engelhardt (25.2.2019)

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Deutsch-französische Freundschaft „live“ an der Ziehenschule

Am Dienstag, dem 22.01.2019 war der alljährliche Deutsch-Französische Tag, an dem eine „cinquième“ aus dem Lycée français Victor Hugo, eine 6. Klasse aus der Liebigschule und die 6e der Ziehenschule teilgenommen haben. Begonnen hat der Tag mit einem entspannten Frühstück (und einem Croissant natürlich…) und einigen Reden, unter anderem einer Willkommensrede von Herrn Jürgens. Anschließend haben sich alle Kinder in den verschiedenen Workshops verteilt. Es gab ein Fussball-Atelier, ein Chor-Atelier und 2 Kamishibai-Ateliers. Kamishibai ist eine japanische Form von Erzähltheater. Im Fussball-Atelier gab es erst einmal ein paar Aufwärmübungen in Form von 3 Stationen. Anschließend wurden deutsch-französische Mannschaften gebildet, u.a. „Die Fantas“, „Die wilden Kicker“ und das „Starensemble“. Es fand eine Mini-EM statt und den ersten Platz erreichten „Die Fantas“. Auch im Kamishibai-Atelier wurden gemischte Gruppen gebildet. Diese haben sich jeweils eine Geschichte ausgedacht, und dazu Bilder gemalt, die während der Vorstellung in einem Holzrahmen (jap. „Butai“) präsentiert wurden. Der Chor hat seine Werke am Ende des Tages natürlich auch vorgestellt. Er hat für die Kinder der anderen Gruppen und dem Kollegium das Toys Story-Lied „Du hast einen Freund in mir“ in Deutsch und in Französisch gesungen, um die deutsch-französische Freundschaft darzustellen. Als kleine Zugabe wurde das bekannte Lied „Champs-Élysées“ gesungen, natürlich auch auf beiden Sprachen. Abgeschlossen wurde der Tag noch mit einer Dankesrede an alle, die tatkräftig hierfür ihre freie Zeit investiert haben, und diesen wundervollen Tag organisiert haben. Auch von uns nochmal danke an die so engagierte Mme Genty-Beckers und die ebenso engagierte Frau Zorbach.

Text: Rachel Loewenthal und Tasnim Boutizla (6e); Fotos: Thuy Ly, Eylül Peker (9a), Fahrin Azam (9a) (05.02.2019)

Auch die Frankfurter Rundschau hat über den Deutsch-Französischen Tag an der Ziehenschule berichtet. Lesen Sie den Artikel hier (externer Link).

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Warum Europaschule?

Zum Abspielen wird kein Ton benötigt.

Animation: K. Schenk (31.12.2018)

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Tillie was here!

Graphic Novels oder Comics (zwei Begriffe, gleiche Bedeutung) haben hierzulande immer noch einen recht schwierigen Stand, gelten sie doch als etwas für Kinder, im Vergleich zum Buch gar als eher anspruchslos. Wer sich auch nur ansatzweise mit dem Genre auskennt oder sich einmal darauf eingelassen hat weiß, dass dem nicht so ist. In den USA hingegen sind Comics nicht nur populär und erreichen hohe Verkaufszahlen, sondern sind auch fester Bestandteil von Lehrplänen in Schulen.

Eine tolle Gelegenheit der Begegnung mit einer „echten“ Comic-Autorin bot sich dem Leistungskurs Englisch Q1 von Herrn Ballaera am Dienstag, den 27.11.2018: Tillie Walden, „Shooting Star“ der Comic-Szene war auf Lesereise und zu Gast in Frankfurt. Die Chance mit Schülern in Kontakt zu kommen und eine deutsche Schule mal von innen zu sehen, wollte sie sich hierbei nicht entgehen lassen.

Tillie Waldens aktuelles, mit dem Eisner-Award prämiertes und bereits sechstes (!), diesmal autobiographisches Werk, heißt „Pirouetten“ (Spinning im Original). Walden beschreibt darin ihre Jugend, die geprägt war durch den Leistungssport aber auch von Zweifeln und Ängsten ob ihrer sexuellen Orientierung. Ihr Coming-out nimmt daher einen zentralen Platz in ihrer Erzählung ein.

Einen Zugang zu ihr zu finden ist einfach. Sie sprüht vor Lebensfreude und hat einen herrlichen Humor. Mit 22 Jahren ist sie natürlich selbst noch nah dran an der Lebenswelt der Schüler. Die ernste, nachdenkliche, gar kritisch und politisch engagierte Tillie versteckt sie aber auch nicht. Offen positioniert sie sich zur Trump-Regierung und erzählt von ihren Erfahrungen, die sie gemeinsam mit ihrer Mutter als Wahlkämpferinnen für Hillary Clinton machte.

Begleitet wurde der Besuch von Jakob Hoffmann und der Lektorin Wiebke Helmchen vom Reprodukt Verlag. Beide zeigten und lasen zu Beginn eine längere Passage des Comics Pirouetten der deutschen Ausgabe. Tillie Walden erzählte im Anschluss von ihrem Leben als dem Drill ausgesetzte Eiskunstläuferin, die dann ihr Talent fürs Zeichnen und mit Comics schließlich ihre Passion fand. Anstoß für die damals eher schüchterne und inmitten der Pubertät steckende Tillie war ihr Vater, der sie einfach bei einem Comicworkshop anmeldete. Tillie Walden hatte sich bis dahin wenig mit ihrer Zukunft auseinandergesetzt, meinte aber, sie wäre wohl so etwas wie eine Rezeptionistin oder Sekretärin geworden. Glücklicherweise kam es anders! Inspirierend wirkt ihr Mut Dinge anzupacken, Träume zu verfolgen und zur eigenen Identität zu stehen. Ehrlich aber auch, dass sie nicht sagen kann, ob sie für immer Autorin sein wird oder irgendwann doch mal etwas ganz anderes machen möchte. Putzfrau im Hotel war sie schon, es habe ihr viel Freude bereitet. Die abschließende Fragerunde zeigte wie sehr die Schüler Interesse an Tillie Walden und Ihrem Schaffen gefunden hatten. Sie ließ es sich auch nicht nehmen, eine Kostprobe ihres Könnens zu geben, unter anderem wurde Herr Ballaera von ihr porträtiert. Auch aus diesem Grund sollte das Whiteboard in Raum 253 nun abmontiert, gerahmt und meistbietend (für einen guten Zweck selbstverständlich) versteigert werden.

Einen Dank an das US-Konsulat Frankfurt, das den Besuch von Tillie Walden unterstützte.

Text: Carsten Herold; Fotos: Carsten Herold und Jakob Hoffmann (6.12.2018)

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