Klangraum Europa
Wenn Europa zu hören ist
Präsentation am Europa-Fest der Stadt Frankfurt
9. Mai 11:00 - 21:00 Uhr
Römer
Ein Luftholen vieler Stimmen.
Ein Buch mit Kapiteln, die zu häufig überblättert werden.
Ein Spannungsfeld zwischen Ähnlichkeit und Abgrenzung.
Eine Straße voller Türen.
Acht solcher Perspektiven auf Europa haben Schüler*innen der E-Phase im Darstellenden Spiel unter der Leitung und Konzeption von Lea Hackel entwickelt.
In poetischen Hörperformances verbinden sich Klang und sprachliche Bilder – nicht, um Europa zu erklären, sondern um es wahrnehmbar zu machen: in Momenten, in Fragen, in leisen Verschiebungen.
Die Texte zeigen, wie junge Menschen sich selbst in Beziehung zu Europa setzen: fragend, suchend, widersprechend, fordernd – und immer wieder überraschend konkret. Sie erzählen von Begegnungen, oft zufällig, oft flüchtig, zwischen Menschen, Sprachen und Lebensrealitäten.
Dabei entsteht kein geschlossenes Bild, sondern eine Vorstellung davon, was Europa sein könnte – und vielleicht sein müsste, damit es für junge Menschen erfahrbar und relevant wird.
Stimmen aus dem Klangraum
Blick hinter die Stimmen
21 Schüler*innen eines Kurses „Darstellendes Spiel“ der Ziehenschule haben gemeinsam diese Hörperformances entwickelt.
Die Frankfurter*innen zwischen 16 und 18 Jahren bringen unterschiedliche Erfahrungen und Familiengeschichten in Bezug auf Europa mit – und jeweils eigene Vorstellungen davon, was Europa für sie ist oder sein könnte.
Die Idee hinter dem Projekt besteht darin, Europa nicht als Ganzes zu beschreiben, sondern es in alltäglichen Details zu finden. Europa entfernt sich so von abstrakten Definitionen und Sonntagsreden und setzt bei persönlichen Wahrnehmungen und zufälligen Begegnungen an. So wird Europa nahbar – und Alltag neu wahrnehmbar.
Inspiriert von der Schreibmethode „One Inch Picture frame“ (der fingerbreite Bilderrahmen) von Anne Lamott verengten die Schüler*innen ihren Blick bewusst. Sie richten ihre Aufmerksamkeit auf einen sehr kleinen Ausschnitt und bleiben bei ihm, bis er beginnt, mehr zu zeigen als das Offensichtliche.
Ein Riss an der Wand.
Ein Schatten am Boden.
Stimmen im Raum.
Die Schüler*innen nutzten nun starke Verben, um das Beobachtete lyrisch in Bewegung zu setzen: Der Riss wandert, der Schatten kriecht, die Stimme verhallt. Dieses genaue Betrachten rückt das Momenthafte in den Fokus: eine Begegnung, ein Zögern, einen Augenblick von Nähe, der nicht selbstverständlich ist. In Verbindung mit der Frage, was dieser Blick im Inneren auslöst, entwickeln sich Metaphern: Der Riss wird zur Linie, die trennt und zugleich verbindet; die Stimme zum Versuch, gehört zu werden. Darin berühren die Texte der Schüler*innen die Frage nach Europa: nicht als festgeschriebenes Projekt, sondern als etwas Veränderbares, das von Aufmerksamkeit, Begegnung und - gerade jetzt - von Pflege lebt.
Diese leise, manchmal nur für einen Moment entstehende Nähe setzt sich in der Hörperformance fort. Eingesprochen wurden die Texte von den Schüler*innen selbst, aufgenommen im Theaterfundus der Schule – zwischen Reifröcken und Samtmänteln. Dort schlucken die Stoffe den sonst so typischen Schulhall; die Stimmen treten klarer hervor und rücken näher an die Zuhörenden heran.
Sie geben etwas sehr Privates preis: einen tastenden Gedanken, eine Unsicherheit, ein Gefühl dafür, was Europa ist, oder eben auch nicht. Sie vertrauen darauf, dass ihre persönlichen Wahrnehmungen Nähe mit jemandem aufbauen können, und über den Moment hinausreichen.
Vielleicht beginnt bei den Zuhörenden etwas nachzuklingen – im Klangraum Europa.
Schülerinnen und Schüler der Einführungsphase; Leitung, Fotos und Konzeption: Lea Hackel (30.4.2026)
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Veröffentlicht in: Ankündigung, Europa